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In dem Auto, das ihn nach Paris brachte, hat Robert Antelme wenige Stunden nach seiner Befreiung gesagt: „ Jedesmal, wenn man mir mit christlicher Nächstenliebe kommen wird, werde ich >Dachau< antworten.“
Was hat man unter diesem Wort zu verstehen, das jene Monate der Rückkehr aus der Welt hinter den Spiegeln prägte? Dass die alte Welt, die alten Werte, die klassischen Tugenden des Christentums angesichts der Barbarei des Nationalsozialismus ausgedient haben und dass es in gewissem Sinne darum geht, die Welt zu entchristianisieren. Was hiermit festgehalten sei.
In: Michel Onfray. Der Rebell. |
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Zuletzt aktualisiert am Montag, den 14. Juni 2010 um 22:01 Uhr |
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Zweite geschichtsphilosophische These von Walter Benjamin (1892 - 1940 [Selbstmord auf der Flucht vor NS-Schergen])
„Zu den bemerkenswertesten Eigentümlichkeiten des menschlichen Gemüts“ sagt Lotze, „gehört neben so vieler Selbstsucht im einzelnen die allgemeine Neidlosigkeit der Gegenwart gegen ihre Zukunft.“ Die Reflexion führt darauf, dass das Bild von Glück, das wir hegen, durch und durch von der Zeit tingiert ist, in welche der Verlauf unseres eigenen Daseins uns nun einmal verwiesen hat. Glück, das Neid in uns erwecken könnte, gibt es nur in der Luft, die wir geatmet haben, mit Menschen, zu denen wir hätten reden, mit Frauen, die sich uns hätten geben können. Es schwingt, mit andern Worten, in der Vorstellung des Glücks unveräußerlich die der Erlösung mit. Mit der Vorstellung von Vergangenheit, welche die Geschichte zu ihrer Sache macht, verhält es sich ebenso. Die Vergangenheit führt einen zeitlichen Index mit, durch den sie auf die Erlösung verwiesen wird. Es besteht eine geheime Verabredung zwischen den gewesenen Geschlechtern und unserem. Wir sind auf der Erde erwartet worden. Uns ist wie jedem Geschlecht, das vor uns war, eine schwache messianische Kraft mitgegeben, an welche die Vergangenheit Anspruch hat. Billig ist dieser Anspruch nicht abzufertigen. Der historische Materialist weiß darum. |
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Zuletzt aktualisiert am Mittwoch, den 26. Mai 2010 um 21:52 Uhr |
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Traum und Erinnerungsbilder |
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Maurice Halbwachs (1877-1945), Soziologe, Philosoph und international arbeitender Professor, wurde im Konzentrationslager Buchenwald ermordet. Der hier gezeigte Textauszug aus Studien der Gedächtnisforschung datiert aus dem Jahre 1925.
[...] Nehmen wir an, die Vergangenheit erhielte sich ohne Veränderung und lückenlos in unserem Gedächtnis, d. h. es sei uns jederzeit möglich, jedes beliebige Ereignis unseres Lebens neu zu beleben. Nur bestimmte dieser Gedächtnisinhalte würden während des Wachseins erscheinen; da wir uns in dem Augenblick, wo wir sie uns in die Erinnerung zurückrufen, in Berührung mit den Realitäten der Gegenwart befinden, könnten wir gar nicht anders als in ihnen Elemente unserer Vergangenheit zu erkennen. Nehmen wir nun aber an, dass die Erinnerungen während des Traumes, wenn dieser Kontakt unterbrochen ist, in unser Bewusstsein treten: wie sollten wir sie dann als Erinnerung wiedererkennen? Es gibt keine Gegenwart mehr, der wir sie gegenüberstellen könnten; da sie ja die Vergangenheit nicht in der Weise vorstellen, wie man sie aus der Entfernung sieht, sondern so, wie sie ablief, als sie Gegenwart war, so haben sie nichts an sich, was offenbart, dass sie sich uns nicht zum erstenmal zeigen. - So steht theoretisch dem nichts entgegen, dass die Erinnerungen im Schlaf auf uns eine Art halluzinatorische Wirkung ausüben, ohne dass sie sich maskieren müssten, um nicht erkannt zu werden. [...] |
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Zuletzt aktualisiert am Mittwoch, den 26. Mai 2010 um 21:52 Uhr |
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Nach Prof. Dr. Klaus Koch, einem humorvollen und ganz fantastisch lehrenden Alttestamentler. Klassiker von Koch sind seine Bücher über die israelitische Profetie.
Nach hebräischer Auffassung besteht ein unlöslicher Zusammenhang zwischen Tun und Ergehen bei jedem Menschen. Die Taten des Menschen resultieren in einer unsichtbaren Hülle (awon), die den Menschen umgibt und welche die je nach der sittlichen Bestimmtheit der Taten positiv oder negativ geladen ist. Diese schicksalswirkende Tatsfäre betrifft nicht nur das eigene Leben, sondern wirkt sich auch ansteckend auf die gesellschaftliche und natürliche Umwelt aus; nach altisraelitischer Überzeugung hängen moralische und natürliche Weltordnung unverbrüchlich zusammen. In diesem Zusammenhang ist eine Betrachtung des Begriffspaares „sedaqa“ und „mischpat“ erhellend; beide sind heilsame Faktoren im Volksleben. Sedaqa ist zu praktizieren und aufzurichten, es beinhaltet gemeinschaftsgemäßes Verhalten, das auf den Bestand der für gelungenes Leben konstitutiven Institutionen wie Familie oder Königtum ausgerichtet ist. Die Übersetzung von sedaqa mit „Gerechtigkeit“ ist durchweg unangemessen und hat zudem zur modernen Auffassung vom gerechten und gnadenlosen Jahwä geführt. Nach hebräischer Auffassung bedarf es jedoch einer bestimmten gesellschaftlichen Atmosfäre, um Moral und gesellschaftsförderndes Verhalten überhaupt erst zu ermöglichen. Ohne mythologisch-metaphysischen Hintergrund gibt es keinen hinlänglich vernünftigen Grund zur Achtung von Sitte, Recht und Menschenwürde, sondern nur rücksichtslose Durchsetzung eigennütziger Interessen. Die Anschauung der Tatsfäre erinnert an die indische Karmalehre, allerdings vollendet sich der von den Profeten der Königszeit hervorgesehene Tun-Ergehen-Zusammenhang diesseitig, in diesem Leben. Mischpat ist ein Begriff, der zwischen Zustand und Aktion schillert, er bedeutet einerseits die unangefochtene wirtschaftliche wie rechtliche Existenz von Individuen und Gruppen, andererseits aber administrative, juristische, selbst kriegerische Mittel und Handlungsweisen zur Aufrechterhaltung oder Wiederherstellung einer solchen Existenz. Zur stillschweigenden Voraussetzung hebräischen Denkens gehört, dass mischpat nie bleibend vorhanden ist, sondern fortlaufend „gemacht“ werden muss. Der Mensch ist nach hebräischer Auffassung nicht von sich aus, bzw. nicht von Natur aus in der Lage, echte Gemeinschaftstreue zu verwirklichen, vielmehr bedarf es dafür religiöser und ökonomischer Voraussetzungen. Um angstfrei zu handeln, bedarf es eines gesicherten Standortes, der Ausrichtung an einer Größe, auf die Verlass ist. Das beginnt mit Wasser und Brot ... Zur Suche nach Verlass ist Erkenntnis vonnöten. |
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Zuletzt aktualisiert am Mittwoch, den 26. Mai 2010 um 21:52 Uhr |
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