Allgemeine Musiklehre

Formen von Musik

Die Formgebung, das Formen von Musik zielt auf einen musikalischen Zusammenhang bzw. ein Verhältnis musikalischer Details zueinander oder zum Ganzen, was der Rezipient (Hörer) im Zusammenspiel von Erinnerung und Erwartung zu erfassen sucht.
Formgebende Mittel können hierbei sein:

Wiederholung (Gleichheit)
Variante (Ähnlichkeit)
Verschiedenheit (Andersartigkeit)
Kontrast (Gegensätzlichkeit)
Beziehungslosigkeit (Fremdheit)


Zu finden und ausführlich nachzulesen bei: Clemens Kühn. Formenlehre der Musik.

Konsonanz und Dissonanz

Konsonanz bezeichnet den als in sich ruhend und spannungslos empfundenen Zusammenklang zweier (oder mehrerer) Töne, die zu einem Zusammenklang ineinander zu verschmelzen scheinen.
Bei Dissonanzen verhält es sich anders, nämlich so, dass eine Auflösung des Intervalls oder Akkordes als nötig empfunden wird, und zwar Auflösung in eine Konsonanz.

Eine lange Zeit geltende, vielleicht beinahe klassische Einteilung der Konsonanzen sieht folgendermaßen aus:
Vollkommene Konsonanzen
Primen, Oktaven, Quinten, Quarten (diese Intervalle gibt es nur rein, nicht groß und klein). Die Quarte als akkordfremder Vorhaltston bildet eine aufzulösende Dissonanz.
Unvollkommene Konsonanzen (Assonanzen):
Terz (große und kleine)
Sexte (große und kleine)

Dissonanzen werden inzwischen folgendermaßen eingeteilt:
Scharfe Dissonanzen
kleine Sekunde
große Septime
kleine None
Milde Dissonanzen
große Sekunde
kleine Septime
große None
Neutrale Dissonanz
Tritonus (= übermäßige Quarte bzw. verminderte Quinte - drei Ganztonschritte)

Als Scheinkonsonanz oder Auffassungsdissonanz werden Klänge bezeichnet, die konsonant zu sein scheinen, als konsonant empfunden werden, jedoch aufgrund ihres musikalischen Zusammenhangs als dissonant aufgefasst werden, wie zum Beispiel die Sexte vor der Quinte.
Die Begriffe bezeichnen auch Klänge, die konsonant klingen, musikalisch jedoch dissonant sind. Das Intervall f-gis klingt wie eine kleine Terz (f-as), ist jedoch mathematisch gesehen eine übermäßige Sekunde und damit im musikalischen Zusammenhang ein Vorhalt, der sich, beispielsweise in die große Terz f-a oder die Quarte e-a, auflöst.

Das Empfinden für konsonante respektive dissonante Klänge ist von Mensch zu Mensch, von Kultur zu Kultur und zu verschiedenen Zeiten unterschiedlich (sofern ein solches Empfinden überhaupt ausgeprägt ist).
Im frühen Mittelalter galten beispielsweise neben Primen, Oktaven und Quinten auch Quarten als Konsonanzen; diese Intervalle sind die ersten in der Obertonreihe, die als Naturphänomen und durch ihre Bevorzugung möglicherweise religiöse Bedeutung hatten.
In der Renaissance wurden auch Terzen und Sexten als Konsonanzen empfunden.
Im Barock galten Quarten wiederum als dissonant und mussten aufgelöst werden (z. B. in eine Terz).
In der Harmonik des 19. Jahrhunderts (Romantik, Impressionismus) wurden Dissonanzen immer reicher verwendet, und in der Neuen Musik kam es zur "Emanzipation der Dissonanz" (Arnold Schönberg), die Dissonanz ist hier von ihrer Auflösung befreit. In der so genannten „atonalen“ (besser: atonikalen) Musik wird die Polarität von Dissonanz und Konsonanz in eine abgestufte Reihe von Sonanzgraden oder Klangintensitäten überführt; eine scharfe Dissonanz kann beispielsweise in eine milde Dissonanz „aufgelöst“ werden.
Im Jazz werden Klänge oder Akkorde, die in ihrer Struktur Dissonanzen beinhalten (z. B. Quarten, Septimen oder Nonen), als „wohlklingend" empfunden und machen zudem den Klangcharakter der Jazzmusik aus.

Komplemantärintervalle sind Intervalle, die sich zusammengenommen zur Oktave ergänzen (z. B. große Terz + kleine Sexte, Quinte + Quarte, usw.).

Quintenzirkel

Um den folgenden Beitrag zu verstehen, empfiehlt es sich, sich die Abbildung eines Quintenzirkels zu besorgen (Internet, Schulbuch, Musiklexikon) und die Abbildung mit dem folgenden Beitrag zu vergleichen. Der Quintenzirkel zeigt Tonarten an, die jeweils im Abstand einer Quinte zueinander angeordnet sind. Von oben nach rechts, im Uhrzeigersinn, in Quinten aufwärts die Tonarten mit Kreuzvorzeichen, von oben nach links in Quinten abwärts die Tonarten mit B-Vorzeichen. Bei den Kreuztonarten werden die Vorzeichen der Tonart, die voransteht, übernommen und der 7. Ton der (neuen) Tonleiter wird erhöht. Bei den B-Tonarten werden ebenfalls die Vorzeichen der voranstehenden Tonart übernommen und der 4. Ton der Tonleiter wird erniedrigt. Jeder Durtonart (außen) ist eine Moll-Tonart zugeordnet (innen bzw. darunter); beide, die Dur- und dazugehörige Molltonart bestehen jeweils aus den gleichen Tönen.


Der Quintenzirkel gibt den Verwandschaftsgrad der Tonarten (und dazugehörigen Tonleitern) an. Jede Tonart besteht aus 7 Tönen; C-Dur beispielsweise aus den 7 Tönen ohne Vorzeichen: c, d, e, f, g, a, h (den Stammtönen). Die Tonarten sind eng miteinander verwandt, wenn sie viele gemeinsame Töne haben; sie sind im Quintenzirkel benachbart. Je weiter die Tonarten im Quintenzirkel voneinander entfernt stehen, desto weniger gemeinsame Töne - und dementsprechend Akkorde - haben sie. Interessant ist, dass am Quintenzirkel abgelesen werden kann, welche Akkorde zu einer Tonart gehören. Zu den Tonart C-Dur beispielsweise gehört die Dominante G-Dur (die Tonart "über" C-Dur, also rechts neben der Tonika), die Subdominante (sub = unter) F-Dur, sowie die zu diesen Hauptakkorden (Hauptfunktionen) gehörenden Mollparallelen A-Moll, D-Moll und E-Moll. Bei der Ansicht verschiedener populärer Songs beispielsweise finden sich häufig ausschließlich diese erwarteten Akkorde. Zusätzliche Akkorde sind möglicherweise die Doppeldominante, also die Dominante der Dominante (in unserem Beispiel D-Dur) oder die Doppelsubdominante, die sich auch als "volkstümliche" siebte Stufe beschreiben lässt, nämlich als Akkord auf der kleinen Septime der Tonart (in C-Dur wäre diese kleine Septime der Ton b, der Akkord also B-Dur). Weiterhin können Zwischendominanten auftreten, also Domonantakkorde, die zu beliebigen Akkorden der Haupttonart hinführen. Beispielsweise könnte vor D-Moll ein A-Durseptakkord stehen, vor E-Moll ein H-Durseptakkord. So können bei einer harmonischen Analyse im Grunde beinahe alle Harmonien in einem Musikstück der Klassik oder einem populären Song erklärt werden. Auch beim Komponieren von Songs und Finden von Akkorden, die zu einer ausgedachten Melodie passen, hilft dieses harmonische Wissen, um die Anzahl der auszuprobierenden Akkorde zunächst einschränken zu können und so schneller zu einem hoffentlich befriedigenden Ergebnis zu kommen.

  • 1
  • 2