Jazz

Jazz is

Jazz is just a four-letter-word.

(mindestens Miles Davis)

Würfelspiel in Porgy & Bess

In dem Würfelspiel <Craps>, das die Männer in der ersten Szene spielen, sind die Zahlen 7 und 11 von besonderer Bedeutung - das Spiel hat neben <Craps> auch den Namen <Seven-eleven>.
Wenn alle Wetteinsätze platziert sind, wirft der <Shooter> zwei Würfel. Erzielt er 7 oder 11 - einen <Natural> -, gewinnt er. Wirft er hingegen 2, 3 oder 12, hat er einen <Crap> und seinen Einsatz verloren, er darf weiterspielen, wenn er erneut einen Einsatz platziert. Fallen hingegen 4, 5, 6 oder 8, 9, 10, hat er einen <Point> und würfelt ein zweites Mal. Kommt er auf dieselbe Augenzahl, gewinnt er, bei einer 7 indes büßt er seinen Einsatz ein und muss die Würfel weiterreichen. Bei jeder anderen Summe, die kein Crap ist, versucht er, die Augenzahl des Points vom ersten Wurf erneut zu werfen.

Folgende Ausdrücke im Libretto von Porgy & Bess stehen für bestimmte Zahlen:
snake eyes - 2
boxcars - 12
craps - 2, 3, 12
little Joe - 4

Guide-Line

Eine Guide-Line wird beschrieben als eine >Stimme in einem Arrangement oder Satz, die jeweils einen charakteristischen Akkordton der betreffenden Harmonie enthält und meist in Halb- oder Ganztonschritten geführt wird; Sprünge ergeben sich häufig bei über mehrere Zählzeiten (oder Takte) gültigen Harmonien. Da sich Guide-Lines in der Regel aus langen Notenwerten zusammensetzen, wirken sie als harmonisch-metrisch stützender Ruhepunkt gegenüber bewegter Melodik (Improvisation) und Walking Bass.

Nachzulesen im Handbuch der populären Musik (Wicke/Ziegenrücker, Atlantis Musikbuch-Verlag 1997, S. 212)

 

Erläuterung der vorangestellten Definition

Eine Guide-Line ist eine Begleitstimme in einem Musikstück (gespielt von einem Melodieinstrument); sie ist eine Art Begleitmelodie, das heißt, dass sie also nicht vordergründig den Charakter einer Melodie hat, sondern, da sie ja eigentlich zur Begleitung gehört, sich sehr den Begleitharmonien, also den gerade gespielten Akkorden, anpasst. Dies kommt zustande, indem für eine Guide-Line fast ausschließlich Töne ausgewählt werden, aus denen die jeweils gerade gespielten Akkorde bestehen. Die Guide-Line zu einem großen F-Durseptakkord hätte beispielsweise den Ton f, a, c oder e. Aus klanglichen Gründen wird versucht, für den Akkord charakteristische Töne zu benutzen; bei einem Septakkord sind dies die Septime und die Terz, für den F-Akkord wären dies also e oder a.


Die für eine Guide-Line typische melodische Unauffälligkeit entsteht dadurch, dass sie aus langen Tondauern besteht und fast immer in Halbton- oder Ganztonschritten voranschreitet. Das heißt, dass die zu den jeweiligen Akkorden gespielten Guide-Line-Töne so nah wie möglich beieinander liegen oder sogar dieselben sein sollten (Gesetz des nächsten Weges).


Gilt ein Akkord für mehrere Takte hintereinander, so kann die Guide-Line aus ästhetischen Gründen einen Sprung machen – zum Beispiel zu einem anderen charakteristischen Ton des Akkords.
Sollten beim Voranschreiten der Guide-Line mehrere Möglichkeiten offen stehen (meistens zwei Möglichkeiten, nämlich aufwärts oder abwärts zu gehen), bietet sich an, das Prinzip der Gegenbewegung zu befolgen. Das heißt: habe ich die Möglichkeit, die Guide-Line aufwärts oder abwärts zu führen, entscheide ich mich für die der Bewegung der Bassstimme (oder der meisten vorhandenen Stimmen) entgegengesetzte Richtung.

Sollte das Arrangement oder die Guide-Line bei Einhaltung der Regeln wider Erwarten nicht gut klingen, entscheide dich lieber doch anders und probiere andere Möglichkeiten aus; lass letztendlich immer dein Ohr entscheiden. (Der Komponist Arnold Schönberg meinte, das Gehör sei des Musikers Verstand.)

 

Pluralismus als Chance

Die mit dem Begriff Jazz zusammengefasste Musik des 20. Jahrhunderts hat eine rasante Entwicklung durchgemacht von einfachen Formen, Strukturen und Stilmitteln zu freien Formen und komplexen Konzepten, die in diesem Sinne mit der Entwicklung der gesamten europäischen Musikgeschichte verglichen werden kann - quasi als Schnelldurchlauf. Es gibt deutliche Bezüge zwischen Stilen des Jazz und Stilen der kunstmusikalischen, "klassischen" Tradition wie beispielsweise modaler, impressionistischer und Neuer Musik. Derzeit zeigt sich ein unvergleichlicher musikalischer Pluralismus, der einerseits als Bedrohung (und Ende der Musik), andererseits als Chance aufgefasst wird.

Literaturliste Jazz-Jazztheorie

Wolf Burbat. Die Harmonik des Jazz.
Handbuch der Musik im 20. Jahrhundert. Band 9: Jazz
Frank Sikora. Neue Jazz-Harmonielehre.
Reclams Jazzführer.
Axel Jungbluth. Jazz Harmonielehre.
Axel Jungbluth. Praxis Jazz Harmonisation.
Peter Herborn. Jazz Arrangement.
Ekkehard Jost. Sozialgeschichte des Jazz.
Darmstädter Beiträge zur Jazzforschung. (Diverse Bände)
Miles Davis. Die Autobiographie
Wicke/Ziegenrücker. Handbuch der populären Musik.

The Real Books. (Lead sheets von Jazz Standards)