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Neue Musik
Skrjabins mystischer Akkord PDF Drucken E-Mail

Mystischer AkkordZu Skrjabins >mystischem Akkord< ließe sich neben der Fachliteratur sagen, dass er auch zur damaligen Zeit als alterierter dominantischer Septakkord gesehen wurde - heute ist er u. a. ein ganz normaler Jazzakkord (polyfunktional) und damit vielleicht ein wenig entmystifiziert. Skrjabins Umgang mit dem Akkord, von dem er sagte: >Das ist keine Dominante, sondern eine Grundharmonie<, ist interessant, beispielsweise konnten verschiedene Akkordtöne als Basston bzw. Grundton verwendet und angesehen werden. Durch Skrjabins Gebrauch dieses Quartakkordes vor dessen historischem Hintergrund wurde der Akkord ein freier Klang, ein freitonaler bzw. tonikafreier Klang. Ähnlich wie bei Debussy, der (alterierte) Septakkorde mitunter ohne (offensichtlich) herkömmlichen funktionsharmonischen Zusammenhang verwendete. Der >mystische< oder >Prometheus-Akkord< ist somit gleichzeitig etwas Herkömmliches wie etwas Neues. (Ein Beispiel für Evolution in der Musik.)

AkkordskalaAus diesem sechstönigen Akkord ergibt sich eine Skala, deren siebter Ton - die im Akkord fehlende Quinte, die sich als nächste oben angefügte Quarte ergeben würde - ergänzt wurde. Diese Tonleiter besteht, wie herkömmliche diatonische Tonleitern, aus Ganztonschritten und zwei Halbtonschritten. Sie ist deshalb auf alle chromatischen Töne transponierbar (im Gegensatz zu beispielsweise von Debussy verwendeten Ganztonleitern).

 
Bartoks Harmoniesystem PDF Drucken E-Mail

Kurze andeutende Anmerkungen zu Béla Bartóks Harmoniesystem:

Der Quintenzirkel ist eine Art, die Chromatik (die 12 Töne) zu gruppieren, die die abendländische Musik der letzten Jahrhunderte bestimmt hat. In der Neuen Musik, die zu tonaler Indifferenz neigt (und in der sich die Dissonanzen emanzipiert haben), eignen sich für die Gruppierung der Chromatik gleichstufig distanzierte Aufteilungen der Oktave. Bei 12 gleichen Teilen ergibt sich Chromatik, bei 6 gleichen Teilen eine Ganztonskala, bei 4 gleichen Teilen ein verminderter Akkord, bei 3 gleichen Teilen ein übermäßiger Dreiklang, bei 2 gleichen Teilen ein Tritonus (Bestandteil des verminderten Akkords).
Bei der Zuordnung der Hauptfunktionen (T - Tonika, D - Dominante, S - Subdominate) zu jedem Ton des Quintenzirkels lässt sich folgende Verteilung erreichen (Beispiel in C-Dur):
C (T), G (D), D (S), A (T), E (D), H (S), Fis (T), Db/Cis (D), As/Gis (S), Es/Dis (T), B/Ais (D), F (S).

Bartók scheint in diesem System Achsen zu bilden. Auf der Tonika-Achse bilden c und fis (Hauptast) sowie a und es (Nebenast) funktionsgleiche Gegenpole, auf der Dominantachse g und des sowie e und b, auf der Subdominantachse d und as sowie h und f.

Eine weitere Gruppierung taucht in Bartóks Werken auf:
C (T), D (S), E (D), Fis (T), As (S), B (G).

So ist Bartóks Harmonik einerseits nicht zuletzt klanglich innovativ, und andererseits ist sie nach wie vor prinzipiell funktional.


(Genauer nachzulesen bei: Erno Lendvai. Das Achsensystem. In: Bence Szabolcsi. Béla Bartók - Weg und Werk, Schriften und Briefe. Leipzig 1957, S. 91ff.)

 


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